Neben Sprachförderung auch Sprachtherapie in der Kita?

Neben Sprachförderung auch Sprachtherapie in der Kita? Das ist der Titel eines Vortrags von Prof. Dr. Bode und einer anschließenden Podiumsdiskussion beim Forum Kindersprache 2019.

Einschulungsuntersuchungen, Erfahrungen von Kinder- und Jugendärzten, Therapeuten und Erziehern zeigen, dass sehr viele Vorschulkinder in Deutschland Sprachauffälligkeiten zeigen. Sprachförderung und Sprachtherapie sind komplementäre Ansätze für den Abbau dieser Auffälligkeiten.

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Gesten helfen Kindern beim Wortlernen

Besonders Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen (SES) können von ikonischen Gesten profitieren. Susanne Vogt hat dazu in Logos (2018, 186-195) eine lesenswerte Zusammenfassung gegeben. „Ikonische Gesten sind Bewegungen … meist der Hände, die Bedeutungsaspekte …. der übermittelten Entität aufgreifen. Sie repräsentieren Objekte, Ereignisse oder Zustände durch ihren visuell-räumlichen Bezug zum Referenten.“ Beispiel: seitliches Flattern der Hände verweist auf Vögel bzw. fliegen. Kinder sind ab dem Alter von zwei Jahren fähig, ikonische Gesten zu lernen, und mit vier Jahren können sie deren Bedeutung erfassen.

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Computer lernen wie Kinder (… aber Kinder nicht wie Computer)

Das ist der Titel eines Aufsatzes der Psychologin Alison Gopnik von der University of California im Spektrum der Wissenschaft (4.18, 74-79), der neue Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz (KI) beschreibt.

Kleine Kinder schaffen es, in kurzer Zeit, z. B. während des Wortschatzspurts im dritten Lebensjahr, große Mengen an Informationen zu verarbeiten und zu speichern. Dabei werden ja nur einzelne Schalldruckwerte analysiert und im Gehirn repräsentiert. Dennoch reichen die Fähigkeiten von noch so leistungsstarken Computern, solche Daten zu digitalisieren und zu speichern, nicht an die Fähigkeiten des neuronalen Netzwerks eines kindlichen Gehirns heran. Frühere Modelle, Denkstrukturen von Kindern nachzuahmen, gingen von Bottom-up-Lösungen aus: Aus Rohdaten wie z. B. sprachlichen Bausteinen lassen sich von unten nach oben Muster und schließlich Begriffe bilden, indem mehrere Schichten von Schaltkreisen übereinander gelegt werden („tiefe Netze“, „Deep Learning“). Das System vergleicht dabei neue Informationen mit bereits erworbenen Daten. Diese Art des Lernen sortiert im Laufe der Zeit Relevantes und Unbrauchbares und stellt Beziehungen zwischen den Wörtern her, sucht nach Oberbegriffen und erkennt Bedeutungsmuster. So kann ein Computer wie ein Kind Bild- und Spracherkennung beherrschen oder ein Schachspiel gewinnen.

Was Bottom-up-Strategien schlecht lernen, kleine Kinder jedoch weitgehend mühelos, sind die Erstellung von Hypothesen, die Einbeziehung und Wertung von abstrakten Wörter oder Emotionen („Gier“, „Glück“), moralischer Wertungen („Betrug“) oder die Erstellung und Einordnung von Assoziationen, Kausalzusammenhängen und Gedankenketten. Hierfür eignen sich Top-down-Modelle wesentlich besser. Diese Art des Lernens braucht weniger Beispiele und kann leichter verallgemeinern, benötigt aber viel mehr Vorarbeit.

Auch die Kombination beider Lernwege ist im augenblicklichen Stand noch sehr eingeschränkt, wenn man sie mit den Fähigkeiten kleiner Kinder vergleicht. Insofern stellt Künstliche Intelligenz noch keine Bedrohung für den menschlichen Geist dar. Prof. Gopnik beschließt den Artikel mit diesen Sätzen: „Aber es gibt etwas, das weitaus gefährlicher ist als künstliche Intelligenz: Natürliche Dummheit. Wir Menschen müssen uns viel geschickter als in der Vergangenheit anstellen, wenn wir mit neuen Technologien umgehen wollen“.

Was kommt jetzt statt „Sprachentwicklungsstörung“?

Eine einheitliche Definition und Terminologie ist für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit im deutschsprachigen Raum und international unabdingbar. Eine Diskussion zu einer neuen Terminologie finden wir in einem Interview mit Prof. Dr. Christina Kauschke (Klinische Linguistik, Universität Marburg), veröffentlicht in Logos (2018, 196-199).

Was einmal in der ICD 10 „Umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache“ war, soll nun laut „Weltverband für Logopädie und Phoniatrie (IALP)“ zur „Spezifischen (primären) Sprachentwicklungsstörung“ werden. Ist das jetzt wirklich besser? Immerhin wurden die Abkürzungen SSES (Spezifische Sprachentwicklungsstörung) und USES (Umschriebene Sprachentwicklungsstörung) verkürzt, und zwar auf SES. Auf Deutsch. Und im international gebräuchlichen Englisch? Da wurde das SLI (Specific Language Impairment) ersetzt durch DLD (Developmental Language Disorder). Was ist der Unterschied? DLD (= SES) schließt begleitende Fehlentwicklungen nicht mehr aus, z. B. Einschränkungen im kognitiven Bereich oder im Verhalten, während die Begriffe „Umschrieben“ und „Spezifisch“ suggerierten, dass ein Kind neben dem gestörten Spracherwerb in jeder anderen Hinsicht altersentsprechend entwickelt ist.

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