Seminare Forum Kindersprache 2019

Wie in den vergangenen Jahren veranstalten wir auch dieses Jahr wieder Seminare mit Referentinnen, die Sie in den vergangenen Forum Kindersprache Fortbildungstagen besonders begeistert haben.

Am 22. und 23. Februar dieses Jahr legte uns Frau Dr. Patricia Sandrieser „Die Bedeutung der Elternarbeit in der Therapie junger stotternder Kinder“ dar. Sie zeigte uns eindrucksvoll und sehr praxisnahe, wie die wichtigsten Bezugspersonen unserer kleinen Patienten erfolgreich in die Behandlung integriert und beraten werden können. Ein Seminar im kleinen Rahmen, für das wir ausschließlich positive Resonanz erhielten.

Zwei weitere Seminare stehen im Mai an, für die noch Plätze zu vergeben sind:

Diagnostik und Therapie phonologischer Störungen

unter besonderer Berücksichtigung des neuen Therapiematerials des patholinguistischen Ansatzes (PLAN) Phonologie

03.+04. Mai 2019

Referentin: Tanja Jahn     

295 € Teilnahmegebühr       12 Fortbildungspunkte

Nach einer Einführung in die theoretischen Grundlagen und die Diagnostik steht die Therapie phonologischer Störungen im Mittelpunkt. Besonders an diesem Seminar ist, dass dies eine der ersten Gelegenheiten sein wird, bei der Frau Jahn den neuen Therapiekoffer des Patholinguistischen Ansatzes (PLAN) vorstellen und ihre Arbeit damit erläutern wird. Dieser wurde von ihr in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Kauschke entwickelt und wird Mitte 2019 erhältlich sein.

Schritte in den Dialog – frühe, pragmatisch-kommunikative Therapie mit Eltern

24.+ 25. Mai 2019

Referentin: Delia Möller     

295 € Teilnahmegebühr        12 Fortbildungspunkte

Das Therapiekonzept „Schritte in den Dialog“ wurde von Frau Möller in Anlehnung an das im englischsprachigen Raum sehr verbreiteten Hanen-Programm entwickelt. Unter Anleitung von Sprachexperten lernen Bezugspersonen von jungen Kindern mit Schwierigkeiten in der pragmatisch-kommunikativen Entwicklung, diese in regelhaften und vorstrukturierten Situationen schrittweise in den Dialog zu führen.

Es ist uns gelungen, Frau Möller, die zu ihrem sehr interessanten und vielerprobtem Therapiekonzept hauptsächlich im Norden Deutschlands referiert, zu uns in den Süden einzuladen. Ein tolle Gelegenheit, diesen Therapieansatz auch ohne langen Anfahrtswege kennen zu lernen.

Beide Seminare finden in den von Ihnen viel gelobten Räumlichkeiten des Karl-Gerok-Stift in Vaihingen/Enz statt.

Unter www.spracheverbindetuns.de/fachforen/seminare/ stehen Ihnen weitere Informationen sowohl zu den einzelnen Seminaren als auch zu den Referentinnen zur Verfügung. Dort finden Sie auch die Möglichkeit, sich online anzumelden.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Thorsten Lindenmeyer unter 07042/941400 oder tl@spracheverbindetuns.de

Zur Evolution von Sprache

Vielleicht werden wir diesen Titel ja mal bei einem Referat im kommenden Forum Kindersprache hören? Was meinen Sie? Bis dahin ein wenig aus der neuesten Fachliteratur:

Chet C. Sherwood ist Anthropologe an der George Washington University in Washington. Er forscht über die Evolution des Primatengehirns. Aus dem schönen Beitrag in Spektrum der Wissenschaft (4/2019) ist die oben dargestellte Abbildung eines Schimpansengehirns und eines Menschengehirns. Ich hoffe, dass Sie gut erkennen können, welchen Größenunterschied die Hirnareale zeigen, die für höhere kognitive Funktionen zuständig sind: die Assoziationszentren im Stirnlappen (präfrontaler Kortex), Schläfenlappen (Temporalkortex) und Scheitellappen (Parietalkortex). Für die Sprachentwicklung ist dabei besonders das Wernicke Areal, das Broca-Areal, der primär auditorische Kortex und der sekundäre und tertiäre auditorische Kortex im Schläfenlappen von Bedeutung.

Aber Masse ist nicht immer gleich Klasse. Neben der quantitativen Volumendifferenz spielt auch die Synapsendichte, die Produktion von Neurotransmittern (z.B. Dopamin aus dem Striatum) und die „Erfindung“ der Spiegelneurone eine Rolle. Die komplexen Verschaltungen zwischen den Zentren, die für Spracherkennung und -produktion zuständig sind, unterscheiden den Menschen ebenso von anderen Primaten wie die Verschaltung des motorischen Kortex mit dem Kehlkopf und den Stimmbändern. Schließlich kann nur der Mensch seinen Kehlkopf willentlich kontrollieren. Genetik? Ja, aber da gibt es ganz wenig an entscheidenden Unterschieden. Varieanten des FOXP2-Gens spielen beim Menschen eine Rolle, auch das SRGAP2C-Gen, dass die Neuronendichte erhöht und das Nervenzellproduktion fördernde NOTCH2NL-Gen. Aber ein für die Sprachentwicklung entscheidend wichtiges Gen wurde bislang nicht gefunden. Auch keine definierte Gruppe von Genen.

Eine andere Hypothese vertritt Christine Kenneally, eine australische Linguistin, die im Spektrum der Wissenschaft im März 2019 die Studienergebnisse der vergangenen Jahre zusammenfasste. Schließlich zeigt sich, dass verschiedene anatomische, genetische oder physiologische Merkmale nicht ausreichen, um die Einzigartigkeit der menschlichen Sprache zu erklären. Wie sonst könnte der Graupapagei Einstein 100 Gegenstände benennen, andere Tierstimmen imitieren und sinnvolle Sätze bilden? Kognitive Fähigkeiten wie die „Theory of Mind“ (das Vermögen, sich gedanklich in andere hineinzuversetzen) finden sich schließlich auch bei Delfinen und Schimpansen. Oder die Frage, ob das Verstehen einer Geste ein entscheidende Schritt in der Sprachevolution darstellt? Nein, schließlich können die Menschenaffen Bonobos lernen, mittels einfacher visueller Symbole mit Menschen zu kommunizieren. Komplexe Klangstrukturen finden sich auch im Gesang von Zebrafinken oder in den wortähnlichen Warnrufen von Meerkatzen.

Wie also entstanden die hochkomplexen, miteinander verknüpften Regelsysteme, nach denen in der menschlichen Sprache, Laute, Silben, Wörter und Sätze miteinander verknüpft werden und Bedeutung vermitteln und Bedeutung schaffen? Die Antwort: Das menschliche Gehirn braucht andere Gehirne in einem sozialen Umfeld, mit denen es interagieren kann. Menschliche Sprache entsteht aus zahlreichen Wurzeln über die lange Zeit durch Lernen, über viele Generationen. Aus anfangs eher ungeordneten Strukturen entstehen gemeinsame Ordnungen, aber in hoher Vielfalt. Sie reproduzieren sich über die Weitergabe, und sie verändern sich, so wie beim Spiel „Stille Post“, bei dem alle scheinbar das gleiche sagen, das Ergebnis am Ende jedoch ein anderes ist. Sprache wächst also evolutionär auf genetischen und anatomischen Grundlagen durch individuelles und kollektives Lernen und aus der Weitergabe von Informationen. So wie hoffentlich aus dieser Newsletter (smiley).

Forum Kindersprache 2019 war ein großer Erfolg

Vielen Dank für die große und positive Resonanz, die Sie uns in zahlreichen Gesprächen und auf den Feedbackbögen geschenkt haben. Die Auswertung zeigte uns, dass Sie die fachliche Qualität der referenten und die Atmosphäre (und natürlich das tolle Essen und den Kaffee und die Pausengespräche, die Handouts und den fast perfekten Ablauf) weiterhin extrem hoch einschätzen. Vielen Dank! Wir wissen Ihr Lob zu schätzen.

Substantive bremsen den Redefluss

Wenn wir sprechen, machen wir unbewusst Pausen zwischen bestimmten Wörtern. Darauf deutet eine Studie von Wissenschaftlern um Frank Seifart von der Universität zu Köln hin (www.pnas.org/content/115/22/5720.short). Seifart und seine Kollegen untersuchten Tonaufnahmen von Sprecherinnen und Sprechern in neun verschiedenen Sprachen. Dabei erfassten sie unter anderem, wie viele Laute pro Sekunde die Sprecher äußerten und an welchen Stellen sie kurz ins Stocken gerieten.

Trotz der großen Vielfalt stießen die Forscher auf ein fast universelles Muster: Vor Substantiven verlangsamte sich häufiger das Sprechtempo als vor Verben. Zudem legten die

Sprecher vor solchen Wörtern eher Pausen ein oder nutzten Fülllaute wie »hm« oder »äh«. Eine Ausnahme stellte lediglich Englisch dar: Zwar sprachen die Teilnehmer auch hier vor Substantiven oftmals langsamer, sie machten jedoch weniger Pausen als vor Verben.

Diese Befunde sind überraschend, weil Verbformen komplexer zu sein scheinen als Substantive. Aber Substantive brauchen wohl eine längere Planungszeit, da sie gewöhnlich höheren Informationsgehalt transportieren, sagt Seifart. In anderen Fällen werden sie meist durch Pronomen wie »er«, »sie« oder »dieser« ersetzt – oder gleich ganz weggelassen.