Ein neuer Atlas des Gehirns

So betitelt Christian Wolf seinen Artikel in der neuesten Ausgabe von Gehirn & Geist. Er stellt darin eine neue Kartierung des menschlichen Gehirns vor.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts formulierte der Arzt Franz Joseph Gall (1758–1828) eine Lokalisationslehre (Phrenologie), mit der er versuchte, geistige Eigenschaften und Zustände bestimmten Hirnarealen zuzuordnen. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen Schädel- und Gehirnform einerseits und Charakter und Geistesgaben andererseits unterstellt.

In der Abbildung findet sich ein Areal namens „Sprechen“ unter dem Auge. Das Areal „Handfertigkeit“ entspricht aber ziemlich genau der Lokalisation der unteren Partie des motorischen Kortex.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts teilte der deutsche Anatom Korbinian Brodmann (1868-1918) die Großhirnrinde nach ihrer Zellstruktur in Areale ein.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts nun erregen gleich zwei neue Kartierungen Aufsehen. 2010 wurde der Allen Human Brain Atlas veröffentlicht, der erstmals auf einer Kombination aus anatomischen und Genexpressionsdaten basiert. 2016 schließlich definierten Matthew Glasser und Kollegen in St. Louis eine universelle Hirnkarte mit 180 Arealen pro Hirnhemisphäre. Das Besondere daran ist, „dass die Forscher das Gehirn nach verschiedenen Kriterien gleichzeitig untergliedert haben“, nämlich drei Eigenschaften der Neurone: ihre Aktivität bei Tätigkeit, ihr Myelingehalt und ihre Verknüpfungen mit anderen Arealen (Konnektome). „Mit Hilfe dieser Karte gewinnt man ein besseres Verständnis der topografischen Organisation des Gehirns“, kommentiert der deutsche Neurowissenschaftler Simon Eickhoff in Nature.

Autor: Henning Rosenkötter

Thorsten Lindenmeyer (Logopädiepraxis in Vaihingen/Enz) und Henning Rosenkötter haben 2006 das Forum Kindersprache gegründet. Wir stellen allen, die sich mit der frühen Sprachentwicklung von Kindern beschäftigen, ein Forum für interdisziplinären Austausch und Fortbildung zur Verfügung.

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