Gesten helfen Kindern beim Wortlernen

Besonders Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen (SES) können von ikonischen Gesten profitieren. Susanne Vogt hat dazu in Logos (2018, 186-195) eine lesenswerte Zusammenfassung gegeben. „Ikonische Gesten sind Bewegungen … meist der Hände, die Bedeutungsaspekte …. der übermittelten Entität aufgreifen. Sie repräsentieren Objekte, Ereignisse oder Zustände durch ihren visuell-räumlichen Bezug zum Referenten.“ Beispiel: seitliches Flattern der Hände verweist auf Vögel bzw. fliegen. Kinder sind ab dem Alter von zwei Jahren fähig, ikonische Gesten zu lernen, und mit vier Jahren können sie deren Bedeutung erfassen.

Sprachbegleitende Gesten scheinen einen positiven Effekt auf das Wortlernen zu haben, sowohl lexikalisch als auch semantisch. Ikonische Gesten sind dabei effektiver als andere Gestenarten. Unklar war bisher, ob ikonische Gesten auch bei Kindern mit SES hilfreich sind und, wenn ja, ob dabei der zusätzliche visuelle Reiz oder eine Verbesserung der Aufmerksamkeit eine Rolle spielen.

In dieser Arbeit nahmen monolingual Deutsch aufwachsende Kinder im Alter zwischen 3;0 und 5;11 Jahren teil: 20 Kinder mit einer SES, 20 „sprachgesunde“ Kinder und 20 sprachgesunde jüngere Kinder mit vergleichbarem Wortschatz gegenüber der SES-Gruppe. Lernziel waren je sechs seltene Nomen und Verben der deutschen Sprache (z. B. Tierarten wie Ralle und Fennek oder ungewöhnliche Verben wie retschen und hüpeln).

Die Ergebnisse bestätigen, dass ikonische Gesten mehr als andere Gesten das Wortlernen unterstützen und dass Kinder mit SES davon besonders profitieren. Sie stärken die Verbindung zwischen Wortform und Bedeutung sowie die Speicherung von Bedeutungsinformationen und sie erleichtern den Abruf. „Es empfiehlt sich, die Gesten konsequent parallel zum gesprochenen Zielwort zu präsentieren, auch wenn das Kind nicht auf die Gesten reagiert.“ Susanne Vogt vermutet, dass es sich in der Praxis als besonders hilfreich erweisen könnte, wenn die Kinder dazu ermutigt würden, die Gesten zu imitieren. Außerdem wirken ikonische Gesten gleichzeitig aufmerksamkeitslenkend. Offen bleibt die Frage, welche Kinder von dieser Hilfe besonders profitieren und welche nicht.

Autor: Henning Rosenkötter

Thorsten Lindenmeyer (Logopädiepraxis in Vaihingen/Enz) und Henning Rosenkötter haben 2006 das Forum Kindersprache gegründet. Wir stellen allen, die sich mit der frühen Sprachentwicklung von Kindern beschäftigen, ein Forum für interdisziplinären Austausch und Fortbildung zur Verfügung.

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