Substantive bremsen den Redefluss

Wenn wir sprechen, machen wir unbewusst Pausen zwischen bestimmten Wörtern. Darauf deutet eine Studie von Wissenschaftlern um Frank Seifart von der Universität zu Köln hin (www.pnas.org/content/115/22/5720.short). Seifart und seine Kollegen untersuchten Tonaufnahmen von Sprecherinnen und Sprechern in neun verschiedenen Sprachen. Dabei erfassten sie unter anderem, wie viele Laute pro Sekunde die Sprecher äußerten und an welchen Stellen sie kurz ins Stocken gerieten.

Trotz der großen Vielfalt stießen die Forscher auf ein fast universelles Muster: Vor Substantiven verlangsamte sich häufiger das Sprechtempo als vor Verben. Zudem legten die

Sprecher vor solchen Wörtern eher Pausen ein oder nutzten Fülllaute wie »hm« oder »äh«. Eine Ausnahme stellte lediglich Englisch dar: Zwar sprachen die Teilnehmer auch hier vor Substantiven oftmals langsamer, sie machten jedoch weniger Pausen als vor Verben.

Diese Befunde sind überraschend, weil Verbformen komplexer zu sein scheinen als Substantive. Aber Substantive brauchen wohl eine längere Planungszeit, da sie gewöhnlich höheren Informationsgehalt transportieren, sagt Seifart. In anderen Fällen werden sie meist durch Pronomen wie »er«, »sie« oder »dieser« ersetzt – oder gleich ganz weggelassen.

Autor: Henning Rosenkötter

Thorsten Lindenmeyer (Logopädiepraxis in Vaihingen/Enz) und Henning Rosenkötter haben 2006 das Forum Kindersprache gegründet. Wir stellen allen, die sich mit der frühen Sprachentwicklung von Kindern beschäftigen, ein Forum für interdisziplinären Austausch und Fortbildung zur Verfügung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.