Wie die Fee den Wortschatz erweitern hilft

Manche Kinder verfallen der Faszination von geheimnisvollen Welten mit Drachen, Zauberern und anderen Fabelwesen. Neuere Forschungen zeigen, dass Kinder mehr Wissen über die reale Welt erwerben, wenn das Wissen in fantastische Welten eingebettet ist.

Eine Hypothese besagt, dass die besondere Attraktion des Fantastischen und Unerwarteten die Aufmerksamkeit des Kindes in diese Richtung lenkt. Denn Ungewöhnliches regt zum Erkunden an. Entwicklungspsychologische Studien zeigten, dass Säuglinge, die Fahrzeuge sehen, die durch eine Mauer nicht gebremst werden sondern durch sie „hindurchfahren“, überrascht wirken und danach die Fahrzeuge mit den ungewöhnlichen physikalischen Eigenschaften besonders intensiv explorieren.

Die Psychologin Deena Weisberg veröffentliche 2015 eine Studie, in der Vorschulkindern Kinderbücher vorgelesen wurden. In der einen Gruppe lasen die Untersucher realistische Geschichten über Sachthemen vor. In der anderen Gruppe hörten die Kinder fantastische Geschichten, in denen Drachen und Burgen vorkamen. Nach zwei Wochen hatten alle Kinder neue Wörter gelernt. „Denjenigen, die Fantasiegeschichten gehört hatten, gelang es jedoch besser, die Bedeutung der Wörter zu erklären, und ihr aktiver Wortschatz war insgesamt besser geworden.“ Ähnliche Ergebnisse fanden Emily Hopkins und Angeline Lillard 2013 in einem Spiel mit Aspekten, die der Realität widersprachen.

Alle Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Kraft der Fantasie in der Bildung, Förderung oder Therapie von kleinen Kindern einen wichtigen und sehr beflügelnden Effekt hat.

Autor: Henning Rosenkötter

Thorsten Lindenmeyer (Logopädiepraxis in Vaihingen/Enz) und Henning Rosenkötter haben 2006 das Forum Kindersprache gegründet. Wir stellen allen, die sich mit der frühen Sprachentwicklung von Kindern beschäftigen, ein Forum für interdisziplinären Austausch und Fortbildung zur Verfügung.

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